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Welche Ansätze zur Klimaanpassung verfolgt die Stadt Bonn?

...das verrät uns Jessica Löffler von der Leitstelle Klimaschutz der Stadt Bonn im Interview.

WILA Bonn: Sie arbeiten im Umweltamt der Stadt Bonn. Inwiefern beschäftigen Sie sich in Ihrem Arbeitsalltag mit dem Thema Klimaanpassung?

Frau Löffler: Klimaanpassung ist mein Schwerpunkt. Seit einiger Zeit bin ich u.a. für „ZURES“, ein Forschungsprojekt zur Klimaanpassung mit dem Fokus auf Hitze zuständig. Über das Projekt werden wir bald eine aktuelle und hochaufgelöste Klimaanalyse für Bonn bekommen und erkennen können, wie stark einerseits Siedlungsbereiche bereits klimatisch belastet sind und wie hoch andererseits die ausgleichende Wirkung - Kühlung und Frischluft - der Freiräume ist. Über das Projekt werden wir außerdem eine Projektion der Verhältnisse für das Jahr 2035 bekommen. Hierbei werden bis dahin sich weiter wandelnde klimatische Bedingungen genauso berücksichtigt wie mögliche stadtstrukturelle und gesellschaftliche bzw. sozio-ökonomische Entwicklungen. Denn die Betroffenheit in Bonn im Jahr 2035 hängt nicht nur davon ab wie stark sich der Klimawandel weiter verschärft. Auch Faktoren wie beispielsweise zunehmende Bebauungs- und Bevölkerungsdichte oder der fortschreitende demographische Wandel tragen zum Grad der möglichen Verwundbarkeit der Menschen im Klimawandel bei und müssen daher unbedingt mit betrachtet werden. Die Ergebnisse aus „ZURES“ werden eine gute Datenbasis liefern, um z.B. die Auswirkungen von Neubauvorhaben, der Ausweisung neuer Baugebiete oder von Nachverdichtungen im Bestand fundiert beurteilen zu können.

WILA Bonn: In den letzten Jahren häuften sich auch in Bonn Starkregenereignisse. In dem Zusammenhang ist Hochwasser nicht nur von Rhein und Sieg sondern auch von kleineren Bächen ein Thema. Wie gefährlich ist es, in Bonn zu wohnen?

Frau Löffler: Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit für Starkregenereignisse in Bonn nicht höher als andernorts. Das tückische am Starkregen ist ja gerade, dass er grundsätzlich ubiquitär – also überall – vorkommen kann, eine Vorhersage darüber wo genau er sich tatsächlich ausprägen wird aber nur eingeschränkt möglich ist. Was in Bonn neben den naturräumlichen Gegebenheiten vorliegt und was die Verwundbarkeit erhöht, sind grundsätzlich eine hohe Bevölkerungsdichte und eine hohe bauliche Dichte. Ein schnell stark anschwellender Bach verursacht meist noch keine massiven Schäden – wenn dieser aber durch eine dicht bebaute Siedlung fließt, kann es schon anders aussehen. Da Starkregenereignisse im Zuge des Klimawandels wahrscheinlich sowohl häufiger als auch intensiver auftreten werden, würde ich jedem – ob er in Bonn wohnt oder nicht – raten, sein Zuhause einmal gegenüber möglichen Schadensquellen und Vorsorgemöglichkeiten, z.B. ob das Gebäude gegen Rückstau gesichert ist, prüfen zu lassen. Das Tiefbauamt der Stadt Bonn hat hierzu eine Broschüre „Starkregen in Bonn“ herausgegeben, die nützliche Erstinfos bietet.

WILA Bonn: Die Begrünung von Dächern und Fassaden ist ein wirksames Mittel, um die Aufheizung in der Stadt zu reduzieren. Wie ermuntert die Stadt Bonn die Bürgerinnen und Bürger, ihre Gebäude zu begrünen?

Frau Löffler: Eine Dach- oder Fassadenbegrünung kann sich positiv auf das Innenraumklima und den klimatischen Komfort im Außenbereich auswirken. Außerdem schafft sie einen ökologischen Mehrwert und kann durch ansprechende Gestaltung auch eine optische Bereicherung sein.
Bei Neubauten mit Flachdächern und flach geneigten Dächern (<15°), die größer als 200 m² sind, ist in Bonn seit 2010 eine Dachbegrünung vorgeschrieben. Dächer dieser Größenordnung werden sich aber wohl eher selten auf privat genutzten Gebäuden befinden. Für Bürgerinnen und Bürger gibt es einen Anreiz zur Dachbegrünung - und im Übrigen auch zur Entsiegelung - über eine entsprechende Minderung der Niederschlagswassergebühren.
Wir arbeiten derzeit in verschiedenen Projekten mit, in denen Stadtklimamodelle entwickelt werden. Über diese Modelle werden wir künftig dazu in der Lage sein, die Wirkung von Klimaanpassungsmaßnahmen im Bestand konkreter bewerten und vergleichen zu können. Gemeinsam mit der bald vorliegenden Klimaanalyse soll uns dies dabei helfen, geeignete Maßnahmen für besonders betroffene Bereiche in Bonn zu identifizieren. Im darauffolgenden Schritt werden wir uns dann überlegen, wie wir durch geeignete Kommunikationsmaßnahmen vor Ort und gegebenenfalls Anreizsysteme die betroffenen Bürgerinnen und Bürger zur Umsetzung von wirksamen Maßnahmen im privaten Bereich motivieren können.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen am 8.1.2018 stellte Anke Valentin für den WILA Bonn e.V.


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